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Saisonales Einkaufen oder "Ist es schon wieder Weihnachten?"

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Gestern hatte ich wieder mein alljährliches Schock-Erlebnis. Bei spätsommerlichen Temperaturen von über 22°C und schönstem Sonnenschein stolperte ich beim Aldi über Dominosteine, Schokoweihnachtsmänner und Lebkuchen. Die Weihnachtspalette an Süßwaren wurde wieder aufgefahren - gegen Ende August. Auf der anderen Seite des Ganges standen die Säcke mit Grillkohle, in den Kühltruhen lagen die Würste und eingelegten Nackensteaks. Und ich habe mich geärgert.

Wenn man sich nun darüber beschwert, bekommt man Antworten wie "Die Leute kaufen es ja" und "Es gibt einen Markt dafür". Das ist richtig und trotzdem ärgert es mich. Es ist nun nicht so, dass ich dem Liebhaber der Dominosteine den sommerlichen Genuss an sich nicht gönnen würde. Ich aber kaufe Weinhachtsgebäck und ähnliches frühestens im November. Ich freue mich das ganze Jahr auf Lebkuchen, Stollen, Zimtsterne und Marzipankartoffeln - und wenn ich sie im Winter dann für die Weihnachtszeit habe, sind sie richtig lecker. Hätte ich sie das ganze Jahr, wären es nur irgendwelche Süßigkeiten.

Das vorgezogene Weihnachten ist aber nur ein Symptom. Es geht nicht nur um Weihnachten. Es geht darum, ob man immer alles haben will, oder ob man in der Lage ist, sich an saisonalen Artikeln zu erfreuen.

"Alles zu seiner Zeit"

Ich möchte mich über Spargel und Erdbeeren im Frühling freuen können.
Ich möchte mich über Melonen und Kirschen im Sommer freuen können.
Ich möchte mich über über Zwetschen im Spätsommer freuen können.
Ich möchte mich über Kürbise, die neue Apfelernte und Kohl im Herbst freuen können.
Und im Winter möchte ich über Weihnachtsartikel freuen können.

Hätte ich alles zu jeder Zeit - wo wäre der besondere Reiz? Und die Frische? Ich kaufe Weihnachten keine frischen Erdbeeren, die irgendwo unter künstlichem Licht gezüchtet wurden - die haben praktisch null Aroma. Und im Spätsommer bzw. Herbst möchte ich mich an Zwetschenkuchen laben und nicht am Lebkuchen, möchte Obst einkochen, um mich dann in den Wintermonaten an Konfitüre, Zwetschenmus und ähnlichem zu erfreuen.

Auf diese Weise erhalte ich mir die Vorfreude - und habe so zu jeder Zeit im Jahr etwas besonderes, auf das ich mich schon lange gefreut hatte. Das finde ich besser, als das ganze Jahr alles zu haben, sich aber nicht mehr daran erfreuen zu können.

"Man muss es ja nicht kaufen"

Nun kann man mir vorhalten, ich müsse ja die Weihnachtsartikel noch nicht kaufen, ich hätte also keinen Grund mich zu ärgern. Es ist richtig, ich muss sie noch nicht kaufen und tue es ja auch nicht. Allerdings ist es mir schon häufiger passiert, dass meine Lieblingsartikel dann zur eigentlichen Adventszeit kaum noch zu bekommen waren. Und wenn man Gästen zu Weihnachten Weihnachtsgebäck und -süßigkeiten anbietet, mögen die die schon nicht mehr, weil sie das schon seit über 3 Monaten dauernd gegessen haben. Und das zerstört einen Teil meiner persönlichen Freude an der winterlichen Jahreszeit.
Und deswegen ärgere ich mich.

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